Wenn Veränderung zur Fortsetzung des Traumas wird – und wie echte Entwicklung beginnt
- Rasmus
- 10. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Nov.
Warum verhaltensorientiertes Coaching manchmal das Gegenteil bewirkt – und wie ein traumasensibler Zugang echten Wandel ermöglicht.
Warum Veränderung oft nicht das bewirkt, was wir hoffen
Vielleicht kennst du das: Du arbeitest an dir, liest Bücher, meditierst, reflektierst, machst Coachings oder Therapien – und trotzdem bleibt etwas im Inneren gleich.
Du spürst zwar Bewegung, doch gleichzeitig entsteht Druck: Ich müsste eigentlich schon weiter sein.
Dieser Druck kann subtil sein – oder sich als Überforderung, Selbstzweifel oder Scham zeigen.
Aus Sicht von NARM® ist das kein Zeichen von Versagen, sondern ein Hinweis darauf, dass sich alte Überlebensmuster im Mantel von „Entwicklung“ fortsetzen.
Wie Veränderung zum Überlebensmuster werden kann
Veränderung wird zur Fortsetzung des Traumas, wenn sie aus derselben Dynamik entsteht, die einst geholfen hat zu überleben:
dem Versuch, durch Anpassung, Leistung oder Kontrolle sicher zu sein.
Wir nennen das im NARM® „die Wiederholung des alten Beziehungsmusters mit uns selbst“.
Das Nervensystem bleibt in einer Haltung der Anstrengung – sogar, wenn es um Heilung geht.
Anzeichen dafür sind zum Beispiel:
du nimmst Entwicklung als Verpflichtung wahr
du fühlst dich schuldig, wenn du „zu wenig tust“
du verlierst die Verbindung zu dir, während du versuchst, „richtig“ zu wachsen
Wenn Veränderung auf Selbstabwertung statt auf Selbstkontakt gründet, bleibt sie an der Oberfläche. Sie stabilisiert das alte Muster, statt es zu wandeln.
Die paradoxe Wirkung von Verhaltenstraining
Verhaltensorientiertes Coaching kann leicht in eine Haltung geraten, die unbewusst vermittelt:
„Du musst dich verändern, damit du gut bist.“
„So wie du bist, reicht nicht aus.“
Doch genau diese Botschaften sind oft Teil der ursprünglichen Prägung bei Entwicklungstrauma. Wenn Coaching solche inneren Sätze nicht erkennt, sondern weiter befeuert, wird der Raum für Entwicklung eng – und Veränderung zur Fortsetzung früherer Überlebensstrategien.
Veränderung wird dann nicht zur Befreiung – sondern zur Wiederholung.

Wie NARM® Veränderung anders versteht
Im NeuroAffective Relational Model (NARM®) ist Entwicklung kein Ziel, sondern ein Prozess des Wieder-in-Kontakt-Kommens.
Wir arbeiten nicht an Symptomen oder Zielen, sondern an der Beziehung zu dem, was in dir lebendig ist.
Das Nervensystem darf lernen, dass Kontakt sicher ist – auch mit dem, was schwierig oder unangenehm erscheint.
So entsteht Veränderung nicht aus Druck, sondern aus Präsenz.
In der Praxis bedeutet das:
weniger Tun, mehr Wahrnehmen
weniger Analyse, mehr Beziehung
weniger Fokus auf „richtig machen“, mehr Raum für Erleben
NARM® hilft, zu unterscheiden, ob dein innerer Impuls nach Entwicklung aus Verbindung oder aus Überlebensstrategie kommt.
Ein Beispiel aus der Praxis
Eine Klientin beschreibt: „Ich dachte, ich müsste endlich loslassen, stärker sein, mehr meditieren. Aber es fühlte sich jedes Mal an, als würde ich mich gegen mich richten.“
Im NARM®-Prozess konnte sie spüren, dass dieser „Entwicklungsdruck“ aus einem alten Muster kam – dem Versuch, sich durch Leistung Nähe zu verdienen.
Als sie begann, diesen Mechanismus wahrzunehmen, ohne ihn zu verurteilen, entstand etwas Neues:
ein Gefühl von Selbstmitgefühl.
Und aus diesem Mitgefühl wuchs Bewegung – nicht aus Zwang, sondern aus Verbindung.
Wie du erkennen kannst, ob deine Veränderung echt ist
Spürst du Weite oder Druck?
Echte Entwicklung fühlt sich verbunden an – nicht getrieben.
Verlierst du Kontakt zu dir, wenn du dich „bemühst“?
Wenn ja, könnte dein Veränderungswunsch ein Schutzmechanismus sein.
Kannst du auch innehalten?
Wachstum, das aus Verbindung entsteht, braucht keine Eile.
Manchmal ist das Innehalten selbst die Veränderung.
Wie NARM® dich in diesem Prozess unterstützt
Auf www.rasmus-chodura.de begleite ich Menschen, die spüren, dass Weiterentwicklung nicht durch „mehr tun“ entsteht, sondern durch tieferen Kontakt zu sich selbst.
Meine Arbeit basiert auf dem NARM®-Ansatz, der den Körper, die Beziehung und das Nervensystem als Einheit versteht.
In dieser Haltung darf sich Entwicklung entfalten – jenseits von Druck oder Zielorientierung, als natürliche Bewegung hin zu mehr Lebendigkeit und innerer Freiheit.
FAQ – Häufige Fragen
Woran erkenne ich, dass mein Veränderungswunsch ein Überlebensmuster ist?
Wenn du dich während des „Wachstums“ immer angespannter, erschöpfter oder getriebener fühlst, könnte es sein, dass du unbewusst alte Dynamiken wiederholst.
Wie unterscheidet NARM® zwischen echtem Wachstum und Anpassung?
NARM® schaut nicht auf das Verhalten, sondern auf die innere Haltung. Veränderung, die aus Verbindung entsteht, ist ruhig, klar und fühlbar.
Was passiert, wenn ich aufhöre, an mir zu arbeiten?
Oft entsteht zunächst Unsicherheit – dann Entlastung. Wenn der Körper spürt, dass er nichts mehr leisten muss, kann echte Selbstregulation beginnen.
Wie kann ich mit NARM® arbeiten?
Im 1:1-Prozess erforschst du mit Unterstützung, welche Muster dich unbewusst steuern – und lernst, in Beziehung zu bleiben, wo du dich sonst verlierst.




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