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Retraumatisierung: muss ich alles noch einmal erzählen?

29. Juli
10 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Juli

Viele Menschen, die bei mir anfragen, haben ihre Geschichte schon mehrfach erzählt. In einer Therapie, die eine Zeit lang geholfen hat und dann nicht weiterkam. Oder auf einem Wochenendseminar, nach dem sie aufgewühlt nach Hause fuhren und mit der Erfahrung allein blieben.


Im Orientierungsgespräch kommt deshalb oft die Frage: Muss ich das alles noch einmal erzählen? Und wenn ich es erzähle, werde ich dann wieder überrollt?


In meiner Arbeit ist das nicht nötig. Der Grund dafür hängt an einer anderen Frage, nämlich was von einem Trauma eigentlich zurückbleibt.


Was mit Retraumatisierung gemeint ist

Wer eine verbindliche Definition sucht, findet keine. Gemeint ist meist, dass Menschen von altem Material so überflutet werden, dass sie nicht mehr handlungsfähig sind und den Kontakt zum Hier und Jetzt verlieren. Nicht die Stärke des Erlebens entscheidet darüber, sondern ob es einen Punkt gab, von dem aus sich noch einordnen ließ, was gerade passiert. Ohne den wiederholt sich die alte Erfahrung, statt sich zu verarbeiten. Von einer intensiven Sitzung unterscheidet sich das durch die Nachwirkung: Betroffene kommen über Tage oder Wochen schlechter zur Ruhe als vorher. Eine Sitzung, die wehgetan hat, muss also keine Retraumatisierung gewesen sein.


Das ist eine Arbeitsdefinition und keine offizielle. In der Fachliteratur haben Autor:innen mehrfach festgehalten, dass dem Begriff eine einheitliche Definition fehlt und dass sich die vorgeschlagenen Definitionen klinisch nicht prüfen lassen (Follette & Duckworth, 2012). Auslöser, Dauer und nötige Intensität hat niemand festgelegt.


Der Begriff meint zudem zwei verschiedene Dinge. In der Forschung geht es meistens darum, dass jemand mit Trauma-Vorgeschichte etwas Neues erlebt, das die alte Erfahrung wieder aufruft, etwa einen zweiten Unfall oder eine erneute Gewalterfahrung. Die zweite Bedeutung betrifft das, was in einer Behandlung oder Sitzung selbst passieren kann. Darum geht es hier. Wer zu dem Thema recherchiert, findet je nach Quelle das eine oder das andere.


Symptome: woran sich eine Retraumatisierung erkennen lässt

Nach einer Sitzung sprechen einige Symptome dafür, dass es zu weit gegangen ist. Der Zustand hält über Tage an. Der Schlaf wird schlechter, Bilder oder Albträume kommen zurück, die vorher weg waren. Manche fühlen sich taub oder wie hinter Glas. Alltägliches wie Arbeiten oder Einkaufen kostet mehr Kraft als vor der Sitzung. Wer das bei sich beobachtet, kann es bei der begleitenden Person ansprechen, bevor die nächste Sitzung stattfindet. Menschen können in einer Sitzung etwas Starkes spüren, können weinen oder zittern, aber bleiben dabei die ganze Zeit ansprechbar. Sie wissen, wo sie sind, und könnten jederzeit unterbrechen. Das kann in Prozessen vorkommen, in denen sich etwas bewegt.


Überwältigung sieht von außen manchmal ähnlich aus. Innerlich ist sie etwas völlig anderes, weil die Person nicht mehr im Hier und Jetzt präsent ist, sondern von der alten Erfahrung überrollt wird. Sie kann nicht mehr weggehen, nicht mehr abbrechen, nicht mehr entscheiden.


Dunkel gekleidete Person liegt zusammengekauert auf einer Holzplatte in einem düsteren Raum mit rissiger Wand als Sinnbild für Retraumatisierung.

Retraumatisierung durch Therapie: wie hoch ist das Risiko?

Niedriger, als viele befürchten. Foa und Kolleg:innen haben das 2002 gezielt untersucht. Bei 76 Frauen mit chronischer posttraumatischer Belastungsstörung in Expositionstherapie verschlechterten sich die Symptome nur bei einer Minderheit messbar. Diese Verschlechterung war vorübergehend, sie führte nicht zu häufigeren Abbrüchen, und die betroffenen Frauen profitierten am Ende genauso stark von der Behandlung wie die anderen. Eine Übersichtsarbeit zu möglichen Gegenanzeigen fand keine einzige Studie, die eine dauerhafte Verschlechterung berichtete, auch nicht bei Menschen mit schweren Begleiterkrankungen (van Minnen et al., 2012). Unter Behandelnden ist die Angst vor Retraumatisierung verbreiteter als das Ereignis selbst.


Manche Menschen fangen jahrelang keine Behandlung an, weil sie befürchten, was dabei passieren könnte. Die Zahlen sprechen dagegen.


Zwei Einwände stehen daneben. Alle diese Untersuchungen liefen unter kontrollierten Bedingungen, mit Behandlungsprotokoll, mit Supervision und mit Kriterien dafür, wer überhaupt teilnehmen durfte. Für Wochenendseminare, Retreats und Angebote ohne Ausbildungsnachweis existieren solche Untersuchungen nicht. Die Sicherheit liegt also nicht darin, dass Traumaarbeit harmlos wäre, sondern im Rahmen, in dem sie stattfindet. Und selten heißt nicht nie. Wem es passiert ist, dem hilft die Statistik nicht weiter.


Warum bei mir nicht die "Geschichte" im Vordergrund steht

Hinter der Angst, alles noch einmal erzählen zu müssen, steckt eine Annahme darüber, was ein Trauma ist. Nämlich dass da ein Ereignis liegt, das man aufsuchen und bearbeiten muss, damit es seine Wirkung verliert.


Bei einem einzelnen, klar umgrenzten Ereignis trifft das zu. Wer einen Unfall hatte, überfallen wurde oder eine Katastrophe erlebt hat, hat eine Erinnerung, die sich benennen lässt. Genau dort setzen Expositionsverfahren an, mit gutem Grund und mit guten Ergebnissen.


Was viele Menschen zu mir bringt, sieht anders aus. Sie können auf kein Ereignis zeigen. Es gab keinen Unfall, keine Gewalt, keine Katastrophe, und trotzdem funktioniert etwas nicht. Nähe wird eng. Das Leisten-Müssen hört nie auf. Bedürfnisse melden sich nicht oder viel zu spät. Und dazu kommt oft die Scham: mit mir stimmt etwas nicht.


Trauma ist nicht das Ereignis, sondern die Anpassung daran

Im Verständnis des NeuroAffective Relational Model (NARM®), mit dem ich arbeite, war in solchen Fällen kein einzelner Moment prägend, sondern eine Beziehungserfahrung, die sich über Jahre wiederholt hat. Noch stärker wirken die Interpretationen, die ein Kind daraus für sich abgeleitet hat.


Ein Kind hängt – im wörtlichsten Sinne – an den Menschen, die es versorgen. Es kann nicht gehen, nicht kündigen, nicht ausziehen. Wenn diese Menschen nicht verfügbar sind, überfordert, unberechenbar oder abwertend, dann bleibt dem Kind nur eine Möglichkeit. Es muss die Verbindung halten, weil alles andere bedrohlicher wäre.


Also passt es sich an. Es findet eine Erklärung, die die Beziehung retten kann, und die läuft fast immer über die eigene Person. Ich bin zu viel. Ich bin zu bedürftig. Wenn ich anders wäre, würde das hier funktionieren. Diese Rechnung geht für das Kind auf: Ein unliebbares Kind liebevoller Eltern zu sein, lässt sich leichter tragen als ein liebenswertes Kind bei Eltern, die nicht richtig lieben können.


Aus dieser Erklärung wird eine Grundannahme über sich selbst und die Anpassungen daran prägen die Wahrnehmung der eigenen Identität. Wer früh gelernt hat, dass eigene Bedürfnisse Ärger machen, meldet sie später nicht an. Wer gelernt hat, dass Nähe unberechenbar ist, geht vorsichtiger in Beziehungen. Wer gelernt hat, dass Zuwendung an Leistung hängt, hört mit dem Leisten nicht auf. Wie sich das im Einzelnen ausformt, beschreibe ich im Artikel zu den Überlebensstrategien.


Diese Anpassungen sind keine Erinnerung. Sie sind die Brille durch die wir in die Zukunft schauen und sagen etwas darüber, wie wir glauben, dass es sein wird.


Was daraus für die Begleitung folgt

Wenn nicht das Ereignis primär ist, sondern die Anpassung daran, dann liegt der Arbeitsgegenstand nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart.


Und die ist zugänglich, ohne dass jemand etwas erzählen muss. Wie du über dich sprichst. Was in dir passiert, wenn du etwas brauchst. Wie viel Nähe im Gespräch geht. Wo du dich innerlich zusammenziehst. Das alles findet im Hier-und-Jetzt statt. Wir müssen nicht zurückgehen.


Damit fällt weg, was eine Retraumatisierung überhaupt möglich macht. Wer nicht in eine alte Situation zurück gehen muss und selbst das Tempo bestimmen darf, erfährt wieder was Wahlfreiheit und Agency wirklich bedeuten. Dabei geht es nicht darum, die Klient:innen zu schonen oder ihnen nichts zuzutrauen. Es geht vor allem darum den Fokus dahin zu legen, wo sie heute Einfluss haben: ihre Beziehung zu sich selbst und dem Erlebten.

Und wer trotzdem etwas aus der Vergangenheit erzählen möchte, kann das jederzeit tun. Es ist nur keine Voraussetzung.


Das erklärt auch etwas, das viele Menschen mit Therapieerfahrung berichten. Sie haben ihre Geschichte verstanden, können sie einordnen, kennen die Zusammenhänge, und trotzdem ändert sich wenig. Sie haben zwar die Geschichte verstanden, aber nicht, was sie daraus über sich selbst und die Zukunft abgeleitet haben. Ihre Beziehung zu sich selbst hat sich also nicht verändert und beeinflusst damit unbewusst weiter, wie sie auf sich, die Welt und ihre Zukunft schauen.


Wenn du überlegst, ob eine solche Begleitung für dich passen könnte, biete ich dafür ein kostenloses Orientierungsgespräch an: 50 Minuten, in denen wir gemeinsam schauen können, ob eine Zusammenarbeit sinnvoll wäre. Orientierungsgespräch buchen →

Warum „Rauslassen" nicht automatisch entlastet

Ein anderer Teil des Feldes arbeitet mit einem dritten Modell, und viele Menschen haben damit Erfahrungen gemacht. Die Vorstellung dahinter ist alt. Gefühle stauen sich an, und wer sie herauslässt, wird entlastet. Empirisch hält das weniger gut, als es klingt. Am gründlichsten hat die Aggressionsforschung das untersucht, und dort reagierten Menschen mehrfach aggressiver, nachdem sie ihre Wut ausgelebt hatten, nicht ruhiger (Bushman, 2002). Das stammt aus einem anderen Zusammenhang und lässt sich nicht direkt auf Traumaarbeit übertragen. Es zeigt aber, dass die Annahme weniger selbstverständlich ist, als sie überall behandelt wird.

Der Mechanismus entspricht im Grunde dem beim Sport. Wer einmal richtig läuft, bis nichts mehr geht, fühlt sich danach oft ruhiger und klarer. Das funktioniert, es ist gesund, und niemand nennt es Traumaarbeit. Wenn eine Sitzung im Kern dasselbe leistet, spricht nichts gegen die Wirkung. Sie ist halt nur teurer als Laufen.


Unberührt bleibt dabei die interessantere Frage. Warum baut sich diese Spannung überhaupt immer wieder auf? Was passiert innerlich, bevor das Symptom da ist, und was hält es in Gang?

Bei Gefühlen kommt noch etwas dazu. Jedes Gefühl richtet sich an jemanden und will etwas mitteilen. Wut sagt: bis hierhin und nicht weiter. Trauer sagt: du fehlst mir. Wer seine Wut in ein Kissen schlägt, wird die Ladung los, aber die Botschaft erreicht niemanden. Das Gefühl kann sich nicht vervollständigen, weil ihm sein Gegenüber fehlt.


Damit ist nicht gemeint, dass jemand seinen Eltern endlich die Meinung sagen müsste. Oft reicht es, wenn Klient:innen in der Sitzung merken, wem das eigentlich galt, was die Botschaft in dem Gefühl ist und was sie damals gebraucht hätten. Solange darauf niemand schaut, bleibt es beim Abbauen, und abbauen muss man immer wieder.


Daraus entsteht eine Abhängigkeit, über die selten jemand spricht. Menschen brauchen dann alle paar Wochen ihre Sitzung, ihr Seminar, ihre Runde in der Gruppe, um wieder auf ein erträgliches Niveau zu kommen. Das kann jahrelang so gehen und fühlt sich die ganze Zeit nach Arbeit an sich selbst an.


Integrieren statt loswerden

Etwas anderes wird möglich, wenn Menschen mitbekommen, wie sich diese Spannung aufbaut, während sie sich aufbaut. Nicht hinterher erklären können, woher sie kommt, sondern in dem Moment merken, an dem sie sich zusammenziehen, und was sie in diesem Moment erwarten.

Dazu gehört eine Fähigkeit, die im Rauslass-Modell keine Rolle spielt. Einen Zustand da sein lassen zu können, ohne ihn sofort loswerden zu müssen, und dabei ansprechbar zu bleiben. Mit Härte oder Zusammenreißen hat das nichts zu tun.


Meist passiert schon davor etwas Aufschlussreiches. Wenn Klient:innen in Kontakt mit (intensiven) Gefühlen kommen, kommt bei den meisten zuerst eine Befürchtung: dass es zu viel wird, dass es nicht mehr aufhört. Mit dieser Befürchtung lässt sich arbeiten, oft ergiebiger als mit dem Gefühl darunter, weil sie zeigt, was Menschen früh über ihre eigenen Gefühle gelernt haben und womit sie sich seitdem schützen.


Intensität ist dabei nie das Ziel. Sie darf vorkommen, sagt aber nichts darüber aus, ob eine Sitzung etwas gebracht hat. Was in der Begleitung passiert, wenn jemand das Tempo ernst nimmt, beschreibe ich ausführlicher im Artikel zur Titration.


Wo es am ehesten schiefgeht

Weniger die Methode entscheidet darüber als der Rahmen. Schwierig wird es dort, wo Intensität als Erfolg gilt. Wenn eine Gruppe zusieht, gehen viele weiter, als sie eigentlich wollten. Und wenn ein Seminar am Sonntag endet, steht am Montag oft niemand mehr zur Verfügung.


Dazu kommt, dass ein großer Teil dieses Feldes im deutschsprachigen Raum nicht reguliert ist. Wer sich Traumacoach nennt, kann eine mehrjährige Ausbildung dahinter haben oder ein Onlineseminar. Das heißt nicht, dass alles Unregulierte schlecht wäre, ich arbeite selbst in diesem Bereich. Es heißt, dass die Prüfung bei dir liegt und niemand sie dir abnimmt.


Ein paar Fragen können dabei helfen. Wer bestimmt das Tempo, wenn etwas hochkommt? Kannst du jederzeit sagen, dass du aufhören möchtest, ohne dass die begleitende Person daraus gleich Widerstand oder Vermeidung macht? Oft steht schon auf der Website genug. Wenn jemand betont, wie tief es geht und wie sehr es wehtun darf, sagt das etwas über die Haltung dahinter. Und wer nach eigener Darstellung mit allem und jedem arbeitet und offenbar nie weiterverweist, arbeitet nicht sorgfältig.


Ein Hinweis dazu: Begleitung nach NARM® ist keine Psychotherapie im Sinne des Psychotherapeutengesetzes und ersetzt keine ärztliche oder psychiatrische Behandlung. Wenn du dich anhaltend überflutet fühlst, dich selbst kaum noch spürst oder deinen Alltag nicht mehr bewältigst, lass das ärztlich oder psychotherapeutisch abklären, gegebenenfalls auch parallel.


Wenn schon etwas schiefgegangen ist

Wer so etwas erlebt hat, trägt danach meist an zwei Dingen. An dem, was hochkam, und an der Erklärung dafür. Die lautet fast immer, mit mir stimmt etwas nicht, mir ist nicht zu helfen. Dabei hat in den allermeisten Fällen einfach der Rahmen nicht getragen.


Diese Erklärung wird oft zum größeren Hindernis. Sie hält Menschen jahrelang davon ab, es noch einmal zu versuchen. Und sie folgt genau dem Muster, um das es in diesem Artikel geht, weil sie den Grund wieder bei der eigenen Person sucht.


Beim nächsten Anlauf lohnt sich deshalb der Blick darauf, ob du dich im Kontakt sicher fühlst. Ob du das Gefühl hast, hier auch Nein sagen oder abbrechen zu können. Dafür ist das Orientierungsgespräch da. 50 Minuten, kostenlos. Orientierungsgespräch buchen →


Häufige Fragen

Was ist Retraumatisierung?

Als Retraumatisierung wird meist bezeichnet, dass Menschen von altem Material so überflutet werden, dass sie nicht mehr handlungsfähig sind und den Kontakt zum Hier und Jetzt verlieren. Von einer intensiven Sitzung unterscheidet sie sich durch die Nachwirkung: Betroffene kommen über Tage oder Wochen schlechter zur Ruhe als vorher. Eine offizielle, einheitliche Definition des Begriffs gibt es nicht.


Muss ich mein Trauma noch einmal erzählen, damit sich etwas verändert?

Nicht zwingend. Bei einer PTBS nach einem einzelnen Ereignis ist die prolongierte Exposition gut belegt, dort gehen Klient:innen die Erinnerung gezielt durch. Bei früh entstandenen Mustern gibt es dagegen meist kein einzelnes Ereignis, sondern eine Anpassung an eine über Jahre wiederholte Beziehungserfahrung. Diese Anpassung läuft in der Gegenwart weiter und lässt sich dort bearbeiten, ohne die alte Situation aufzusuchen.


Wie häufig kommt Retraumatisierung in einer Behandlung vor?

Selten. In einer Untersuchung zu Expositionstherapie bei chronischer PTBS verschlechterten sich die Symptome nur bei einer Minderheit der Teilnehmerinnen messbar, und diese Verschlechterung war vorübergehend und beeinträchtigte den Behandlungserfolg nicht (Foa et al., 2002). Eine Übersichtsarbeit zu Gegenanzeigen fand keine Studie mit dauerhafter Verschlechterung. Diese Daten stammen allerdings aus kontrollierten Studien mit Protokoll und Supervision, nicht aus dem unregulierten Bereich.


Was tun bei einer Retraumatisierung?

Sprich es bei der begleitenden Person an, bevor die nächste Sitzung stattfindet, und benenne konkret, was sich seit der Sitzung verändert hat. Regelmäßigkeit im Alltag und Kontakt zu Menschen, bei denen du dich sicher fühlst, helfen in der Zwischenzeit. Wenn der Zustand länger als zwei Wochen anhält oder du deinen Alltag nicht mehr bewältigst, lass das ärztlich oder psychotherapeutisch abklären.


Ist eine Sitzung, in der ich stark geweint habe, eine Retraumatisierung?

Meistens nicht. Nicht die Intensität entscheidet darüber, sondern ob du dabei anwesend geblieben bist, also wusstest, wo du bist, und hättest unterbrechen können.


Quellen

Bushman, B. J. (2002). Does venting anger feed or extinguish the flame? Personality and Social Psychology Bulletin, 28(6), 724–731.


Duckworth, M. P. & Follette, V. M. (Hrsg.) (2012). Retraumatization: Assessment, Treatment, and Prevention. Routledge.


Foa, E. B., Hembree, E. A. & Rothbaum, B. O. (2007). Prolonged Exposure Therapy for PTSD. Oxford University Press.


Foa, E. B., Zoellner, L. A., Feeny, N. C., Hembree, E. A. & Alvarez-Conrad, J. (2002). Does imaginal exposure exacerbate PTSD symptoms? Journal of Consulting and Clinical Psychology, 70(4), 1022–1028.


Heller, L. & LaPierre, A. (2012). Healing Developmental Trauma. North Atlantic Books. [Dt.: Entwicklungstrauma heilen. Kösel, 2013.]


van Minnen, A., Harned, M. S., Zoellner, L. & Mills, K. (2012). Examining potential contraindications for prolonged exposure therapy for PTSD. European Journal of Psychotraumatology, 3, 18805.


Rasmus Chodura ist NARM® Master Practitioner mit M.A. Motologie (Schwerpunkt Körperpsychotherapie) und begleitet Menschen im 1:1 Setting online und in Präsenz in Leipzig. Informationen zum NARM®: narmtraining.com

 
 
 

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