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Traumatherapie online: zwischen Psychotherapie und Begleitung

  • vor 3 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Etwas, das schon länger drückt, soll endlich Raum bekommen, und zwar ohne Monate auf einen Therapieplatz zu warten oder quer durch die Stadt zu fahren. Hinter der Suche nach „Traumatherapie online" steht oft dieser doppelte Wunsch: in die Tiefe gehen und es zugleich in ein Leben einpassen, das ohnehin voll ist.


Was dabei selten mit auftaucht: Der Begriff deckt sehr Verschiedenes ab. Approbierte Psychotherapie per Video gehört dazu, ebenso begleitende Ansätze, die keine Psychotherapie im gesetzlichen Sinn sind. Beide haben ihren Platz, und sie meinen nicht dasselbe. Worauf lässt du dich also ein, wenn du dich für den einen oder den anderen Weg entscheidest?


Was bedeutet Traumatherapie online?

Traumatherapie online meint die Arbeit an belastenden Erfahrungen über Videositzungen statt im gemeinsamen Raum. Dahinter stehen zwei verschiedene Bereiche: zum einen die approbierte Psychotherapie, die approbierte Psychotherapeut:innen per Video anbieten und die von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird; zum anderen die traumainformierte Begleitung, etwa nach dem NeuroAffective Relational Model (NARM), die ergänzend arbeitet und keine Psychotherapie im gesetzlichen Sinn ist. Approbierte Psychotherapie setzt eine festgestellte psychische Erkrankung voraus. Traumainformierte Begleitung setzt am Erleben an und kommt ohne eine solche Feststellung aus. Welcher Weg trägt, hängt davon ab, worum es geht und wie akut es ist.


Approbierte Psychotherapie per Video

Wenn eine festgestellte psychische Erkrankung im Raum steht, wie eine Depression oder eine posttraumatische Belastungsstörung, ist die approbierte Psychotherapie der Weg, der von den Krankenkassen getragen wird. Approbierte psychologische und ärztliche Psychotherapeut:innen dürfen ihre Sitzungen per Video anbieten, und die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten. Zu Beginn ist ein persönlicher Termin in der Praxis oft sinnvoll, danach lässt sich vieles per Video fortführen.


Der Engpass liegt selten an der Technik, sondern an den Plätzen. Wartezeiten von mehreren Monaten sind in vielen Regionen die Regel. Wer hier am Anfang steht, findet über die bundesweite Nummer 116117 und die Arztsuche der Kassenärztlichen Vereinigung Praxen, die Videositzungen anbieten. Für den Erstkontakt ist ein Termin vor Ort meist empfohlen, und auch bei Videositzungen gilt, dass im Krisenfall eine geeignete Weiterversorgung sichergestellt sein muss.


Traumainformierte Begleitung online

Nicht jedes Anliegen ist eine Erkrankung. Manche Menschen funktionieren nach außen und spüren zugleich, dass alte Muster sich wiederholen, in Beziehungen wie im Verhältnis zu sich selbst, ohne dass sich daran etwas ändert. Hier setzt traumainformierte Begleitung an. Sie arbeitet nicht an einer Erkrankung, sondern am Erleben.


Dass sich solche Muster mit Wissen allein selten verschieben, hat einen Grund: Was früh gelernt wurde, etwa dass es sicherer ist, eigene Bedürfnisse zurückzustellen, hat sich als Vorhersage darüber eingeschrieben, was Nähe und Sichtbarkeit kosten. Diese Vorhersage verändert sich weniger durch Einsicht als durch neue Erfahrung, die im Kontakt entsteht.


NARM, das NeuroAffective Relational Model, ist eine solche Form der Begleitung, entwickelt für die Arbeit mit Entwicklungstrauma und frühen Bindungserfahrungen. Im Kern geht es darum, den eigentlichen Wunsch hinter einem Anliegen zu klären und dem nachzuspüren, was innerlich blockiert, sich dorthin zu bewegen. Was NARM von anderen Ansätzen in Beratung und Begleitung unterscheidet, habe ich an anderer Stelle ausführlich verglichen.


Meine eigene Arbeit ist eine solche Begleitung, online und in Präsenz in Leipzig. Sie ist keine Psychotherapie im gesetzlichen Sinn und ersetzt diese nicht. Sie kann ergänzend stattfinden, parallel zu einer Therapie oder danach, wenn der akute Bedarf versorgt ist und es um die tieferliegenden Muster geht. Mehr über meinen Hintergrund und meine Arbeitsweise findest du auf der Seite zu meiner Person.


Warum das Setting bei Traumaarbeit besonders zählt

Dass der Ort eine Rolle spielt, ist kein Zufall. Die Hirnforscherin Lisa Feldman Barrett beschreibt das Gehirn weniger als ein Organ, das auf die Welt reagiert, als eines, das sie fortlaufend vorhersagt: Aus früherer Erfahrung und dem, was es im Moment wahrnimmt, schätzt es ab, was als Nächstes gebraucht wird und ob eine Situation sicher ist. Diese Einschätzung läuft größtenteils unterhalb der bewussten Wahrnehmung ab.


Für die Arbeit an belastenden Erfahrungen hat das eine konkrete Folge. Solange das Gehirn eine Umgebung als ungewohnt oder fordernd einordnet, bindet das Aufmerksamkeit, die dann nach innen fehlt. In einem vertrauten Raum, ohne Anfahrt und ohne fremdes Umfeld, fällt die Einschätzung „sicher genug" vielen leichter. Und genau dieses Gefühl ist oft die Voraussetzung dafür, dass schwierige Themen überhaupt zugänglich werden. Für manche Menschen wird Begleitung über Video dadurch nicht zur Notlösung, sondern zum eigentlich passenderen Rahmen. Ob das auch für dich gilt, lässt sich in einem kostenlosen Orientierungsgespräch in Ruhe klären.


Geht das überhaupt online?

Was eine Begleitung trägt, ist der Kontakt, und der entsteht nicht über räumliche Nähe allein. Im NARM-Prozess zählt die Qualität der Aufmerksamkeit und das, was sich zwischen zwei Menschen zeigt, etwa ein Zögern, eine Spannung oder ein Innehalten. Das ist auch über Video wahrnehmbar. Womöglich verändert sich dabei nicht zuerst ein Symptom, sondern das innere Verhältnis zu dem, was lange als Last getragen wurde.

Wie tiefgreifend Arbeit über den Bildschirm tragen kann und was dabei anders ist als in Präsenz, beschreibe ich ausführlicher im Artikel NARM-Begleitung online.


Wann braucht es ärztliche Unterstützung?

Wenn es akut wird, wenn Gedanken kreisen, die sich bedrohlich anfühlen, oder wenn Symptome den Alltag stark einschränken, steht ärztliche oder psychiatrische Unterstützung an erster Stelle. Eine medizinische Abklärung schafft Sicherheit und klärt, was gerade gebraucht wird. Begleitung kann danach oder daneben ihren Platz finden.


Jenseits davon hilft eine schlichte Frage bei der Orientierung: Geht es um eine festgestellte Erkrankung, für die du eine Kassenleistung suchst? Dann führt der Weg zur approbierten Psychotherapie. Oder spürst du, dass du an Mustern arbeiten willst, die sich mit Wissen allein nicht lösen lassen? Dann kann traumainformierte Begleitung der passendere Rahmen sein.


Beides schließt sich nicht aus. Manche Menschen nutzen eine Therapie für die akute Entlastung und eine Begleitung für die Arbeit an dem, was darunter liegt. Andere kommen in die Begleitung, nachdem eine Therapie abgeschlossen ist, weil sich zwar die Symptome beruhigt haben, die alten Muster aber geblieben sind. Und wieder andere brauchen zunächst keinen medizinischen Rahmen, sondern einen Raum, in dem sie dem nachgehen können, was sich meldet. Wann welcher Weg trägt, lässt sich selten vorab am Schreibtisch entscheiden, sondern zeigt sich im Gespräch.


Welcher Weg für dich stimmig ist, musst du nicht allein entscheiden. In einem kostenlosen Orientierungsgespräch schauen wir gemeinsam, worum es geht, und du bekommst eine ehrliche Einschätzung, ob meine Begleitung dazu passt oder ob ein anderer Weg sinnvoller ist. Zum kostenlosen Orientierungsgespräch →

Häufige Fragen

Wird Traumatherapie online von der Krankenkasse bezahlt? Approbierte Psychotherapie per Video wird von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, sofern eine entsprechende Erkrankung vorliegt. Traumainformierte Begleitung wie NARM ist keine Kassenleistung und wird privat getragen.


Was unterscheidet Traumatherapie von traumainformierter Begleitung? Psychotherapie ist ein gesetzlich anerkanntes Verfahren, das eine festgestellte Erkrankung voraussetzt und von approbierten Fachpersonen erbracht wird. Traumainformierte Begleitung arbeitet am Erleben, braucht keine solche Feststellung und ist keine Psychotherapie im gesetzlichen Sinn. NARM gehört zu dieser zweiten Gruppe.


Was kostet Traumatherapie online? Approbierte Psychotherapie per Video wird bei einer entsprechenden Erkrankung von den gesetzlichen Krankenkassen getragen, hier entstehen in der Regel keine zusätzlichen Kosten. Traumainformierte Begleitung ist eine private Leistung. In meiner Praxis liegt der Richtwert bei 120 Euro pro Sitzung, mit einer einkommensabhängigen Staffelung; mehr dazu auf der Seite zum Honorar.


Kann Begleitung online wirklich in die Tiefe gehen? Was eine Begleitung trägt, ist der Kontakt, nicht die räumliche Nähe. Stimmungen, Körpersignale und feine Veränderungen zeigen sich auch im Video, und der vertraute eigene Raum macht es vielen leichter, bei dem zu bleiben, was sich zeigt.


Wann ist Online-Begleitung nicht der richtige Weg? Bei akuten Krisen, bei bedrohlichen Gedanken oder bei stark einschränkenden Symptomen kommt ärztliche oder psychiatrische Unterstützung zuerst. Begleitung kann danach oder ergänzend ihren Platz finden.

 
 
 

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